Lektionen LERNEN

Hallo lieber Leser und Leserin,

Ich hatte eine ziemlich anstrengende Kindheit. Und wissen Sie was? Ich bin heute froh darüber. Denn wenn mir das Leben nicht in frühen Jahren so viele
harte Brocken serviert hätte, dann wäre ich heute nicht da, wo ich
bin und wer ich bin.
Was ich zu meinem großen Glück im Laufe der Zeit gelernt habe,
ist, dass in unserem Schmerz unser Entwicklungspfad liegt. In
unseren wunden Punkten liegt Weisheit. Aus unseren
Verletzungen können wir mehr über uns selbst und unseren
Weg erfahren als aus allen Büchern und Seminaren zusammen.
Aber dazu müssen wir lernen, unseren Schmerz und unsere
wunden Punkte als etwas Gutes, Nützliches und Wertvolles
anzunehmen.
Nur so können wir Frieden mit uns selbst machen und nur so
können wir die Lektionen lernen, die in unseren Erfahrungen
versteckt sind.
Viele Menschen gehen einen anderen Weg: Sie verdrängen. Sie
betäuben sich. Sie lenken sich ab. Sie tun alles, um bloß nicht in
Kontakt mit dem zu kommen, was sie letztlich als Mensch wachsen
lassen würde. Und man zahlt einen fiesen Preis dafür. Denn man
wird mit der Zeit immer stumpfer, starrer und unbeweglicher, bis
oft die ganze Lebendigkeit und Liebe aus dem eigenen Leben
gewichen ist.
Es ist deswegen wichtig, sich den Schmerz zu erlauben, ihn zu
spüren und ihn auszusprechen und letztlich dann loszulassen.
Sonst wächst er wie ein Geschwür in einem. Nicht dass Sie mich
falsch verstehen: Ich bin keine Freundin davon, jede Verletzung
und jeden wunden Punkt zu Tode zu analysieren. Verstehen und
Aussprechen heilen eine Wunde nicht automatisch. Manchmal
passiert das. Oft aber auch nicht.

Aber Hinspüren, Hinschauen und Akzeptieren ist oft der notwendige Anfang für einen Heilungs- und Wachstumsprozess. Wir müssen uns trauen, hinzuschauen. Wir müssen uns erlauben, in Kontakt mit unserem Schmerz zu kommen. Ich weiß nicht, ob das Sinn für Sie macht. Falls ja, dann möchte ich Sie jetzt einmal kurz zu einer kleinen Übung einladen. Machen Sie doch einmal Folgendes:

 

Schritt 1: Nehmen Sie Blatt Papier und einen Stift zur Hand. Oder
machen Sie ein neues Dokument in Ihrer Textverarbeitung auf.
Schritt 2: Jetzt überlegen Sie sich bitte einen wunden Punkt in
Ihrem Leben, den Sie im Augenblick als schmerzhaft erleben.
Oder etwas, womit Sie sehr unzufrieden sind. Oder eine Sache,
die Sie verletzt hat. Oder einen Menschen, der Sie verletzt hat.
Oder eine wiederkehrende Situation, wo Sie mit Ihrem eigenen
Erleben und Verhalten sehr unzufrieden sind. Aber wählen Sie
hier bitte nicht gleich Ihr großes Lebensdrama. Wenn Sie in diese
Richtung gehen wollen, fangen Sie bitte zum Üben mit einer
kleineren Nummer an.

Na dann mal LOS …
Hab eine schöne Woche!
Liebe Grüße
Madeleine Wirth