Die Geschichte von der Wahrheit

... ;) Madeleine
… 😉 Madeleine

Hallo,

ein tolles Thema zum Montag – es geht um Lügen und Warheit.

Menschen neigen zum Flunkern, Schwindeln, Täuschen und Betrügen – und sie tun es immer und auch immer hemmungsloser.

Schon Nietzsche stöhnte: „Die Menschen lügen unsäglich oft.“ Er griff für diese Erkenntnis allerdings auf persönliche Reflexionen und Beobachtungen zurück, die bekanntermaßen nicht unbedingt exakt sind. Wissenschaftler müssen daher den Philosophen heute ein wenig relativieren.

Demnach lügen Menschen nicht ganz so häufig, wie gerne propagiert wird. Aber sie tun es immer öfter – und schuld daran ist der moderne, hektische Lebensstil.

Wie oft lügt der Mensch? 200 Mal pro Tag? Das ist jedenfalls die Zahl, die im Internet am häufigsten genannt wird und auch in Medien, Vorträgen und sogar Diplomarbeiten auftaucht.

Doch niemand weiß so recht, woher sie kommt. Einmal werden britische Forscher als Quelle genannt, dann wieder ein amerikanischer Psychologe, dessen Nachname in drei Versionen angeboten wird: von Frazer über Fraser bis zu Frazier. In den wissenschaftlichen Datenbanken lässt sich zu keinem davon eine Arbeit zum Lügen finden. Möglich also, dass die weithin verbreitete Lügenzahl von 200 selbst nur eine Lüge ist.

Seriöse Studien kommen demgegenüber auf weitaus geringere Quoten. Die amerikanische Psychologin Bella DePaulo ließ 147 Versuchspersonen ein Tagebuch schreiben, über ihre Begegnungen mit anderen Menschen – und über all die kleinen Unwahrheiten, die dabei geäußert wurden.

Die anschließende Durchsicht der Berichte ergab gerade mal eine Quote von zwei Lügen pro Tag. Wobei allerdings gängige Höflichkeitslügen wie etwa das typisch amerikanische „Fine“ auf die Frage „How are you?“ außen vor gelassen wurden.

Außerdem unterstellt diese Studie, dass die Probanden in ihrem Tagebuch ehrlich über ihre Lügen ausgesagt haben – und echte Lügner werden gerade das am wenigsten tun.

Die Geschichte von der Wahrheit…

Vor langer Zeit beschloß einst die Wahrheit unter die Menschen zu gehen. Und so ging sie in die nächste Stadt. Als die Menschen sie sahen, rannten sie schreiend davon. Die Kinder stieben vor Angst in alle Richtungen davon, die Frauen schlossen Türen und Fenster und die Männer wandten sich um. Denn die Wahrheit war nackt und dunkel. So ging es der Wahrheit immer, sobald sie einem Menschen begegnete. Darüber wurde sie sehr traurig.

Eines Tages sah sie in den Straßen einer Stadt ein anderes Wesen. Das lachte und hatte Kleider aus buntem Stoff und farbige Tücher um. Es schwebte federleicht durch die Straßen und war umringt von lachenden Kindern, die an seinen Kleidern hingen, die Frauen öffneten die Türen und lehnten sich freudestrahlend aus den Fenstern, die Männer wandten sich ihm zu und lächelten.

Da ging die Wahrheit auf das Wesen zu: „Wer bist du? Und wie kommt es, daß dich die Menschen so gerne um sich haben und immer wenn sie mich sehen rennen sie voller Angst davon?“ „Ich bin das Märchen“, antwortete ihr das fremde Wesen, „und wenn ich dich so anschaue, verstehe ich die Menschen gut. Du bist nackt und dunkel und siehst furchterregend aus. Komm mit mir.“ Und das Märchen nahm die Wahrheit bei der Hand und führte sie in ein Geschäft. Dort behängte sie die Wahrheit mit wenigen bunten Tüchern und kleinen Schmucksteinen. Und so gingen die beiden wieder hinaus auf die Straßen und die Menschen rannten nicht mehr schreiend davon.

Seit dieser Zeit kann es gelegentlich geschehen, daß sich die Wahrheit im Gewande des Märchens zeigt.

Denken sie darüber nach, denn es betrifft uns alle, jeden Einzelnen.

Ihre Madeleine Wirth

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